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#2 Incipiat Pilotphase!

Arbeitstisch mit Büchern, Notizen, Stadtplan, Kamera und Schachfiguren vor einer sonnigen Stadtlandschaft.

Für unseren Lesekreis zu Robert Musil hat sich niemand angemeldet. Das ist für eine zwölfteilige Veranstaltungsreihe eine eher ungünstige Ausgangslage, also habe ich sie abgesagt. Sie befindet sich dennoch im Programmarchiv und ist markiert mit: Abgesagt wegen zu niedriger Nachfrage.

Die Idee für den Literaturzirkel, so wie ich ihn konzipiert habe, finde ich nach wie vor super, und im Salon werden wir uns auch vertieft mit klassischer Literatur beschäftigen. Wir wollten Der Mann ohne Eigenschaften über zwölf Treffen gemeinsam lesen und dazu die spannende Zeit Wiens um 1900 studieren. Dies war für einen neuen Verein jedoch wohl ein zu hoher High-Commitment-Programmpunkt und zu ambitioniert für den Anfang. Trotzdem ist die Erfahrung nützlich.

Wir werden vorerst eher mit Low-Commitment-Programmen arbeiten, erst mehr Basisarbeit leisten und haben dazu nun eine geeignete Roadmap für die Pilotphase entwickelt. Doch bevor ich näher darauf eingehe, will ich davon erzählen, wie Salon Turicum eigentlich entstanden ist.

Richtig angefangen hat alles im Februar 2026. Die Grundidee war schon länger da: Ich wollte einen eigenen Kultur- und Bildungsbetrieb in Zürich aufbauen und langfristig einen physischen Salon schaffen. Einen schönen Ort für Wissen, gemeinsames Lernen und Denken, Bücher, originelle Kultur, vertiefte Gespräche, Schach, Musik, Veranstaltungen. Ich war müde von den aktuellen Debatten und Auseinandersetzungen, suchte vergeblich nach geeigneten Orten, wollte was in der Stadt Zürich bewirken, und es war immer mein Wunsch, eine Bildungs- und Kulturinstitution zu führen.

Ich interessiere mich für sehr viele Dinge. Philosophie, Geschichte, Naturwissenschaften, Astronomie, das Gehirn, Tiere, Natur, Psychologie, Zürich, gesellschaftliche Entwicklung, vernetztes Denken, Lösungen finden, Orte pflegen und Erlebnisse schaffen, immersive Welten, Architektur, Technologie, Gesundheit und weiteres. Mir war klar, ich will einen Ort schaffen, wo vieles davon zusammenkommt, aber sinnvoll. So entstand nach und nach die Idee des Salons und des Vereins Salon Turicum.

Ich habe monatelang intensiv an der Idee gearbeitet, Dossiers entwickelt, wieder verworfen, neu gegliedert und sehr viel darüber nachgedacht, welche Funktion dieser spätere Salon eigentlich haben soll, was realistisch ist und was ich mir vorstellen kann, nun mein Leben lang mit Herzblut zu machen. Daraus ist nach und nach das Vereinskonzept entstanden. Am 10. Juli war die erste Fassung fertig.

Daraufhin habe ich mit der Erstellung der Website begonnen. Als das Konzept finalisiert war und die Website in ihren Grundzügen stand, ist Lukas mit eingestiegen. Wir sind langjährige Freunde, ein super Team und ergänzen uns sehr sinnvoll in unseren Skills und Denkfähigkeiten.

Am 1. August haben wir den Verein gegründet. Und da stehen wir nun. Unsere Pilotphase hat begonnen. Salon Turicum soll jetzt anfangen zu leben. Das Ganze ist für uns eine intensive Ausbildung im Aufbau einer Kultur- und Bildungsinstitution. Ich habe dafür ein Curriculum in Praxis und Theorie entwickelt, das unsere Arbeit in elf Bereiche aufteilt: Strategie und Organisationsentwicklung, Programmmanagement und Vermittlung, Publikum und Community, Marketing und Kommunikation, Beziehungen und institutionelle Verankerung, Vereinsführung, Personal und Governance, Finanzen und betriebliche Tragfähigkeit, Fundraising und Förderung, Raum und Betrieb, digitale Organisation sowie Evaluation und Qualitätsentwicklung.

Im Folgenden stelle ich unsere Schwerpunkte der Pilotphase vor, die bis zum 31. Januar 2027 in Kraft ist.

Website

Bisher kann man auf unserer Website bereits eine Vorstellung bekommen, was Salon Turicum ist. Doch bisher gibt es noch wenige Inhalte. Wir werden sie laufend ausbauen. Damit alle einen guten Eindruck bekommen: Was gehört für uns zu einem Wissenskanon? Welche Ideen, Themen, Wissensbereiche, Bücher, Musik finden wir empfehlenswert?

Feldarbeit

Gleichzeitig verlagert sich ein grosser Teil unserer Arbeit gerade nach draussen.

Das gefällt mir ausgesprochen gut. Wir beginnen nun viel in Zürich unterwegs zu sein, gehen an Veranstaltungen, besuchen Institutionen, fotografieren, filmen, lernen Stadtgeschichte, recherchieren Orte und Themen, kommen mit Menschen in Kontakt und versuchen immer besser zu verstehen, wer in unserer Stadt was macht.

Dabei entdecke ich ständig neue Dinge und lerne viel dazu. Die drei Schwerpunkte Feldarbeit, Erkundungstouren und Subsidi Züri greifen dabei ineinander. Ein ziemlich grosser Teil der Vereinsarbeit entsteht deswegen tatsächlich gerade im Dossier «Stadt Zürich».

Erkundungstouren

Die öffentlichen Erkundungstouren sind ein lang angelegtes Projekt, das ich Schritt für Schritt als eigenes Format aufbauen möchte. Ich recherchiere eine interessante Route, lerne Infos dazu, gehe sie selbst ab, fotografiere, filme und entwickle daraus Material und Fragen. Bei den tatsächlichen Erkundungstouren können wir dann gemeinsam diesen Teil von Zürich erkunden und uns darüber austauschen.

Subsidi Züri

Dahinter steckt die Idee, Menschen dafür zu interessieren, was vor ihrer Haustür passiert, und sie zu motivieren, ihrer Umgebung Sorge zu tragen und diese aufzuwerten. Wie entwickelt sich ein Ort über Zeit? Wo funktionieren öffentliche Räume besonders gut und warum? Wo gibt es kleine lokale Projekte, die etwas verbessern? Was könnte man selbst machen, statt darauf zu warten, dass irgendeine Institution oder der Staat es löst?

Subsidi Züri habe ich über Jahre entwickelt, und es stammt aus meiner grossen Überzeugung, dass Bottom-up-Prozesse sinnvoll sind und wir die Stadt Zürich behüten und pflegen sollen. Dazu gehört, zu kooperieren und kleine Projekte zur Steigerung der Lebensqualität zu realisieren. Mehr dazu gibt es bald auf der Website!

Salonathlon

Dann gibt es noch unseren Salonathlon. Den entwickelt Lukas. Inzwischen hat er einen ziemlich grossen Fundus an Spielen aus den Bereichen Wissen, Strategie, Logik und Geschicklichkeit zusammengestellt. Hier könnt ihr euch den gesamten Spielefundus und alles Weitere dazu anschauen.

Der wichtigste Punkt: die Salon-Probetage

Das Projekt, auf das ich momentan am meisten gespannt bin, sind unsere Probe-Salontage. Denn was wir wollen, ist eine eigene Räumlichkeit – der Salon – mit einem festen Tagesgeschäft und Programm. Wir haben genaue Vorstellungen davon, was dieser Ort können und sein soll. Er soll tagsüber offen sein und Menschen einen Platz bieten, an dem sie verweilen, lesen, lernen, schreiben, arbeiten oder Schach spielen können. Es soll Ruhe geben, Bücher, eine kleine Küche, einen begrünten Aussenbereich, eine schöne Atmosphäre und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Gleichzeitig möchten wir Lerngruppen, Veranstaltungen, Ausstellungen, kulturelle Formate und verschiedene Formen von Wissensvermittlung entwickeln.

Das alles klingt schön. Jetzt möchten wir dies testen, daraus lernen, eine Community aufbauen sowie Gelder dafür sammeln.

Vor einem halben Jahr war Salon Turicum eine Idee in meinem Kopf. Dann wurde daraus ein Konzept. Dann eine Website. Dann ein Verein. Und jetzt beginnen langsam reale Projekte, Inhalte, Kontakte und Erfahrungen dazuzukommen. Ich weiss ziemlich genau, wo ich langfristig hinmöchte: Salon Turicum soll eine etablierte Kultur- und Bildungsinstitution in Zürich werden. Der Weg bis dorthin wird lang und nicht einfach sein, und es wird nicht immer alles funktionieren.

So wie der erste Musil Lesekreis.

Gut. Dann wissen wir das jetzt auch.